Stadt der Zukunft: Zwei deutsch-chinesische Jugendbegegnungen in Lennestadt und Attendorn
19. August 2026In den vergangenen Wochen hat die Akademie Biggesee gleich zwei deutsch-chinesische Jugendbegegnungen ausgerichtet. Jugendliche aus verschiedenen Städten Chinas trafen auf Jugendliche aus dem Sauerland, um sich gemeinsam einer großen Frage zu widmen: Wie sieht die Stadt der Zukunft aus?
In beiden Begegnungen bildete die Methode der Zukunftswerkstatt das inhaltliche Herzstück. Zunächst sammelten die Teilnehmenden, was sie an heutigen Städten kritisch sehen – von Verkehrschaos und schlechter Luftqualität bis hin zu sozialen Themen wie Obdachlosigkeit. Dabei zeigte sich schnell: Manche Sorgen sind länderübergreifend gleich, andere unterscheiden sich deutlich zwischen dem ländlich geprägten Sauerland und den chinesischen Millionenstädten der Teilnehmenden.
Aus dieser Kritik entwickelten die Jugendlichen in intensiven Bau- und Visionsphasen ihre eigenen Zukunftsstädte. Herausgekommen sind erstaunlich durchdachte Entwürfe: Eine Gruppe entwickelte ein maßstabsgetreues Modell, das durch die geschickte Ausrichtung der Gebäude für eine natürliche Frischluftzufuhr sorgt. Andere setzten auf Schwebebahnen als kreative Verkehrslösung oder auf solarbetriebene Entsalzungsanlagen für die Wasserversorgung.

Dabei ging es nicht nur um Traumstädte, sondern auch um die Frage nach gemeinsamen Werten für die Zukunft. Grundlage für den Bau der Städte bildeten in internationalen Teams formulierte Verfassungen für die jeweiligen Städte. Bemerkenswert dabei: Neben Themen wie Klimaschutz und Bildungsgerechtigkeit fanden auch spezifisch chinesische Konzepte wie das Prinzip eines Fünfjahresplans ihren Weg in die Texte. Ein kleines, aber eindrückliches Beispiel dafür, wie beide Kulturen in den Entwürfen zusammenkamen.

Ein wichtiger Programmpunkt beider Begegnungen waren Gespräche mit der Kommunalpolitik vor Ort. In Lennestadt nutzten insbesondere die chinesischen Jugendlichen den Termin mit der Kommunalverwaltung und dem stellvertretenden Bürgermeister, um viele Fragen zum deutschen politischen System zu stellen. In Attendorn war das Interesse so groß, dass sich das ursprünglich auf 90 Minuten angesetzte Gespräch mit dem stellvertretenden Bürgermeister Herrn Hesener und der Stadtverwaltung auf über zwei Stunden ausdehnte. Die Jugendlichen fragten kritisch nach Klimaneutralität, demografischem Wandel, Windenergieprojekten und der lokalen Sicherheitslage.

Beide Begegnungen kombinierten die Werkstattarbeit mit Besuchen an Orten, an denen Zukunftsfragen ganz praktisch wurden. Auf Hof Belke, dem BNE-Regionalzentrum, ging es um Flächenverbrauch, Ernährung und den eigenen ökologischen Fußabdruck. Beim Werksbesuch der Firma Kirchhoff stellten Auszubildende ihr Unternehmen vor und gaben zugleich Einblick in das deutsche duale Ausbildungssystem.

Bei der Stabsstelle Klimaschutz der Stadt Köln präsentierten die Jugendlichen ihre eigenen Stadtentwürfe, die sie zuvor als Fotos eingeschickt hatten, Fachleuten aus der Stadtverwaltung. Sie erhielten wertvolles Feedback dazu, wie sich ihre Ideen weiterentwickeln lassen, und konnten ihrerseits Impulse für die Stadtentwicklung in Köln geben. Museumsbesuche in Köln, Bonn und Frankfurt ergänzten das Programm um historische und kulturelle Perspektiven – etwa zur deutschen Demokratiegeschichte, zur Migrationsgeschichte oder zu den globalen Zusammenhängen von Nachhaltigkeit.

Genauso wichtig wie diese intensiven inhaltlichen Momente waren aber auch die einfachen, unprogrammierten Augenblicke: Beim Probieren chinesischer und deutscher Snacks, beim gemeinsamen Spielen und Lachen und in Gesprächen über den Alltag in beiden Ländern entstanden neue Freundschaften. Ein Abend am Main in Frankfurt, an dem die gesamte Gruppe ganz ohne Programm gemeinsam den Sonnenuntergang genoss, wurde von vielen Teilnehmenden im Nachhinein als einer der schönsten Momente der Begegnung beschrieben. Ein eindrücklicher Beleg dafür, wie viel Wert gerade die informellen Phasen einer solchen Begegnung haben.
Gefördert wurden die beiden Jugendbegegnungen aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes. Unser besonderer Dank gilt zudem der DiMUS-Umweltstiftung und der Firma Kirchhoff Automotive, deren Unterstützung maßgeblich zur Realisierung der Begegnungen beigetragen hat.
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